Der Komponist Jaromir Weinberger ist heutzutage nahezu unbekannt, ein Umstand, der auch in seiner Vita begründet ist: In Prag geboren, wirkte er dort als Komponist, Pianist und Dirigent und schrieb Musik für Theater und Kabarett. Nach 1933 wurde seine Musik zunehmend boykottiert und in seiner tschechischen Heimat sah Weinberger sich antisemitischen Rassentiments ausgesetzt, sodass er 1938 in die USA auswanderete. Dort konnte er an seine Karriere aus vorheriger Zeit nicht anknüpfen. Seine hier eingespielten Orgelwerke entstanden in der Zeit, nach der Umsiedlung in die USA zwischen 1939 – 1946.
Bei seinen Kompositionen „Bible Poems“ und „Six religious Preludes“ handelt es sich um Charakterstücke mit einer Aufführungsdauer von 1 -4 Minuten. Sie malen die Atmosphäre biblischer Szenen musikalisch aus. Typische Merkmale Weinbergers Musik sind seine Musizierfreude, volkstümliche Melodien, melancholische Cantilenen und oft aprupte Wechsel in Dynamik und Registrierung. In seinem Zyklus „Pastorale“ wird auch die Verbundenheit mit seinem Heimatland in den Titeln „Czech Christmas Carol“ und „Polka“ – einer beschwingten böhmischen Volksmusik gleich – symbolisiert. Seine zweisätzige Sonate mit einer Aufführungsdauer von 18 Minuten ist das umfangreichste Orgelwerk Weinbergers. In seinen Werken findet man Einflüsse von Reger und in Bezug auf Dynamik und Registrierung auch von Karg-Elert.
Die Auswahl der Orgel, der Feith-Orgel (1925) in St. Marien Berlin-Wilmersdorf, kommt der Musik Weinbergers sehr entgegen. Eine Orgel, die komplett (!) im Schweller steht und dazu viele solitische Klangfarben aufweist, lässt die vielen dynamischen Bezeichnungen im Notentext, wie auch die vorgegebenen Registrierungen ohne Kompromisse umsetzten. Weinberger lässt sich in Bezug auf die Registrier(möglichkeiten), sehr von der amerikanischen Orgel mit ihren Streicherklängen und Solo-Registern inspirieren. Wie auch bei ähnlichen Werken von Karg-Elert (z.B. 3 Stücke op. 142), können die Stücke ebenfalls von einer Kinoorgel inspiriert sein.
Beatrice-Maria Weinberger interpretiert mit musikalischem Feingefühl und einer Innigkeit, die diese spätromantischen Werke benötigen. Die besonderen und vielfältigen Möglichkeiten der Feith-Orgel, nutzt Sie in gekonnter Weise aus.
Ihr Mann, Prof. Gerhard Weinberger, spielte bereits im Jahr 2008 eine CD mit Orgelwerken von Jaromir Weinberger an der Rieger-Orgel in Paderborn-Wewer ein. Mit diesen beiden Einspielungen ist nun das gesamte Orgelwerk Weinbergers erstmalig veröffentlicht.
Sebastian Freitag