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01.10.2026
Orgelliteratur

Cécile Chaminade: Werke für Orgel

Mit der von Otto Depenheuer herausgegebenen Sammlung legt die Edition Dohr einen Band vor, der das Orgelrepertoire der französischen Romantik um einen bislang wenig beachteten Namen erweitert.

Cécile Chaminade (1857–1944), zu Lebzeiten als Pianistin und Komponistin international gefeiert, wird heute vornehmlich mit ihrem umfangreichen Œuvre für Klavier und Singstimme in Verbindung gebracht. Als einziges originales Orgelwerk enthält der Band das Prélude d-Moll op. 78 aus dem Jahr 1895. Das von kantablem Duktus geprägte Stück lässt die pianistische Herkunft seiner Komponistin erkennen, ohne dass seine Wirkung auf der Orgel darunter leidet. Die zehn übrigen Werke beruhen auf Liedern, Klavierkompositionen und einem Satz aus einer Orchestersuite. Sie liegen teils in historischen Übertragungen englischer und amerikanischer Organisten aus der Zeit um 1900 vor, die die damalige Popularität Chaminades im angelsächsischen Raum dokumentieren, teils in Neubearbeitungen des Herausgebers.

Beide Gruppen zeichnen sich durch einen gut spielbaren, dem Instrument angemessenen Satz aus, in dem klaviertypische Figuren überzeugend für die Orgel umgearbeitet sind. Obgleich zahlreiche Stücke drei Manuale vorsehen, lassen sie sich bei entsprechender Anpassung der Registrierung auch auf kleineren Instrumenten klangvoll darstellen. Die Registrierangaben orientieren sich an der französischen Orgel der Entstehungszeit und verstehen sich als Ausgangspunkt für die Registrierung am jeweiligen Instrument. Das Querformat sowie ein klares, ausgewogenes Notenbild erleichtern die Arbeit am Spieltisch.

Das zweisprachige Vorwort vermittelt wertvolle Informationen zur Entstehungs- und Verbreitungsgeschichte der Werke, weist jedoch insbesondere bei den Datierungen Abweichungen zwischen Inhaltsverzeichnis, deutschem und englischem Text auf. Für eine künftige Auflage wäre eine redaktionelle Durchsicht wünschenswert. Die praktische Verwendbarkeit der Ausgabe berührt dies nicht. Insgesamt stellt der Band eine lohnende Bereicherung des liturgischen wie konzertanten Repertoires dar. Mit dem Prélude op. 78 macht er zudem ein Originalwerk zugänglich, das Beachtung verdient.

Cécile Chaminade: Werke für Orgel, hg. von Otto Depenheuer, Köln: Verlag Dohr 2026 (E.D. 20463), 54 S., 32,80 €

Tobias Leschke

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