Bei kaum einem französischen Organisten des 20. Jahrhunderts hängen Improvisation, Komposition und Interpretation so eng zusammen wie bei Jean Guillou (1930–2019). Ich untersuche hier, wie seine Orgelwerke op. 1–9 entstanden sind und wie verlässlich Guillous eigene Aussagen dazu sind. Grundlage sind Selbstzeugnisse, Vorworte, Erstdrucke, Tonaufnahmen und der 2025 erschienene Catalogue de l’œuvre musicale. Dabei werden verschiedene Wege zum Werk sichtbar: die Ausarbeitung früher Studienversuche in der Fantaisie, den 18 Variations und der Sinfonietta, die Neuschrift einer Improvisation in der Toccata und die nachträgliche Umbenennung der Ballade ossianique n° 1, die zunächst „Pour le tombeau de Colbert“ hieß. In einem Ausblick wird versucht diese Befunde in die Pariser Orgeltradition um Dupré und Tournemire sowie in die Debatten der frühen 1960er Jahre einzuordnen.
Beitrag hier als PDF herunterladen: Guillou Werkgenese Op. 1-9