Um es kurz zu machen: Das Buch vermag leider nicht die Erwartungen zu erfüllen, die der eine quasi enzyklopädische Weite insinuierende Titel weckt. Dies gründet weniger in mangelnder Kompetenz der Verfasser (wobei weitgehend nicht deutlich wird, wer welche Kapitel verfasst hat), sondern in der Konzeption der Publikation, die sich über weite Strecken auf den südwestdeutschen Raum konzentriert. Diese regionalgeschichtliche Anlage erfährt eine weitere Einengung durch die konfessionelle Beschränkung, die schon das Vorwort andeutet, wenn hier von der „lange[n] Tradition der Orgelkunst“ der „Badische[n] Landeskirche“ (S. 7) die Rede ist. Die darüber hinaus zu beobachtende Verengung der Kapitel auf bestimmte, eher willkürlich ausgewählte Aspekte lässt die einzelnen Texte auf dem Hintergrund ihrer Überschriften doch als sehr lückenhaft erscheinen. Beispielhaft sei das vierte „Die Orgel in der gesellschaftlichen Rezeption der Gegenwart“ genannte Kapitel erwähnt, das in Abschnitt c) – „Genie – Star – Rebell: Cameron Carpenter und die Szene der Virtuosen“ – alleine Cameron Capenter ca. 26 von ca. 60 Seiten widmet. Die Überschrift des fünften Kapitels „Die Orgel im Spiegel der schönen Künsten“ sic!) verfehlt die Inhalte der letzten beiden Abschnitte, denn was verbindet „Dokumente der musikalischen Interpretation: Papierrollen für die Welte-Philharmonie-Orgeln“ (d) oder „Entwicklungstendenzen der Orgelmusik im 19. und 20. Jahrhundert“ (e) mit dem Kapitel-Thema? Ein wirklich gravierender Fauxpas ist die Tatsache, dass Abschnitt e) nur in marginaler Weise etwas mit den erwähnten Entwicklungstendenzen zu tun hat. Ein gründliches Lektorat hätte manche Druckfehler vermieden, sicherlich aber auch helfen können, zwischen Titel und Anlage des Buchs eine größere Übereinstimmung zu erzielen.
Paul Thissen