Letztere ist im Erstdruck auf „Meudon, 18 Août 1884“ datiert. Die Ortsangabe ist bemerkenswert, da Guilmants Übersiedlung nach Meudon gewöhnlich erst auf 1897 datiert wird; 1886 nennt das Titelblatt noch die Pariser Adresse Rue de Clichy 62. Ob Guilmant bereits in den 1880er Jahren zeitweise in Meudon lebte, wäre noch zu klären. Gewidmet ist das Werk dem Comte Paul Chandon de Briailles, Mitinhaber des Champagnerhauses Moët et Chandon in Épernay.
Der Erstdruck erschien 1886 bei der Pariser Dependance von Schott, trägt jedoch die Plattenbezeichnung „A.G. 42“ und den Zusatz „chez l’Auteur“. Das spricht möglicherweise für einen Druck auf Rechnung des Komponisten mit Schott als Vertrieb. Das Titelblatt zeigt zugleich zwei autorisierte Bearbeitungen an: eine Transkription für Orgel solo und eine für Harmonium oder Orgel. Beide sind laut Bibliographie de la France ebenfalls 1886 erschienen. Die Besetzung ist deutlich kammermusikalisch: je zwei Oboen, Klarinetten in A, Fagotte und Hörner in E, dazu Streicher. Der Untertitel der Neuausgabe, „für Orgel und großes Orchester“, hat im französischen Originaltitel („pour Orgue et Orchestre“) keine Entsprechung.
Die Edition beruht lediglich auf einer einzigen Quelle, dem Digitalisat des Exemplars der Sibley Music Library, University of Rochester (Signatur M1005.G962M). Der Editionsbericht beschreibt diese Quelle sorgfältig, einschließlich der Stempel, die auf eine Zirkulation im deutschsprachigen Raum über B. Schott’s Söhne Mainz hindeuten. Die Prinzipien sind klar formuliert: Herausgeberzusätze gelten als Vorschläge, und Sicherungsvorzeichen werden nach Herkunft („Guilmant“ oder „erg.“) unterschieden. Inkonsequent erscheint, dass ergänzte Artikulation in den zweiten Bläserstimmen ausdrücklich ohne Stellenkommentar bleibt. Die Stellenkommentare betreffen überwiegend Akzidentien. Substanzielle Eingriffe sind selten und gut begründet, etwa die Tilgung eines doppelt gestochenen Tons im zweiten Fagott (T. 53) oder die Korrektur einer fehlerhaften Taktfüllung im Kontrabass (T. 63).
Methodisch bedauerlich ist, dass die beiden Bearbeitungen von 1886 nicht als Vergleichsquellen herangezogen wurden. Als autorisierte, zeitgleich entstandene Fassungen hätten sie gerade bei Artikulation, Dynamik und der Stimmführung der Bässe (vgl. etwa T. 26) Entscheidungshilfen geboten. Ob nach handschriftlichen Quellen oder historischem Stimmenmaterial gesucht wurde, lässt der Editionsbericht offen.
Das zweisprachige Vorwort (deutsch und englisch) bietet eine biographische Skizze auf Grundlage von Hielscher, Kalipp und dem MGG-Artikel von Raugel. Das Werk selbst wird nur knapp eingeordnet, im Anschluss an Hielschers Kategorie der „ausdrucksvollen oder meditativen Adagios“. Zur Entstehung, zum Widmungsanlass oder zur frühen Rezeption erfährt man leider nichts.
Trotz dieser Einschränkungen schließt die Ausgabe eine Lücke. Mit Partitur und Stimmenmaterial liegt erstmals ein modernes, aufführungspraktisch verlässliches Material vor. Für eine kritische Ausgabe im strengen Sinn wäre eine erweiterte Quellenbasis wünschenswert.