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01.09.2025
Orgelliteratur

Eine Arnstädter Tabulatur

ortus musikverlag Krüger & Schwinger OHG, Herausgeber: Wilhelm, Rüdiger, Querformat, 52 Seiten, 19,00 €

Mit der vorliegenden Edition „Eine Arnstädter Tabulatur – 15 Choralbearbeitungen für Orgel“, herausgegeben von Rüdiger Wilhelm und publiziert im Ortus-Verlag, liegt eine quellenkritisch fundierte Ausgabe von Werken der mitteldeutschen Orgelmusik des späten 17. Jahrhunderts vor. Die Sammlung enthält 15 Choralbearbeitungen aus einer historischen Tabulaturhandschrift, die aufgrund ihres Repertoires wie auch ihrer stilistischen Ausprägung ein aufschlussreiches Zeugnis protestantischer Liturgiemusik jener Zeit darstellt. Die Edition umfasst Kompositionen von namentlich bekannten Autoren wie Johann Michael Bach und Johann Pachelbel sowie eine Reihe anonymer Stücke. Der editorische Zugriff orientiert sich an den Anforderungen sowohl wissenschaftlicher Genauigkeit als auch praktischer Spielbarkeit; die Notation ist klar und benutzerfreundlich gestaltet.

Die Choralbearbeitungen basieren u.a. auf den Cantus Firmi „Allein Gott in der Höh sei Ehr“, „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“ und „Nun komm, der Heiden Heiland“. Die kompositorischen Verfahren reichen von einem recht einfachen Satzmodell, das mit einer Fuge kombiniert wird (J. M. Bach. „Allein Gott in der Höh‘ sei Ehr‘“) über Fugen bis hin zu Variationszyklen.

Wilhelms Einleitung bietet eine recht konzise Kontextualisierung der Tabulatur unter musikhistorischen und aufführungspraktischen Gesichtspunkten. Die beigefügten kritischen Anmerkungen informieren über Quellenlage, Lesarten und editorische Entscheidungen. Die Edition versteht sich damit nicht nur als praktisches Spielmaterial, sondern auch als Beitrag zur Erschließung und Erforschung eines bislang wenig beachteten Repertoires mitteldeutscher Orgelmusik.

Insgesamt stellt die Publikation eine bedeutende Erweiterung des verfügbaren Quellenmaterials zur lutherischen Choralbearbeitung des späten 17. Jahrhunderts dar und kann sowohl im musikpraktischen als auch im musikwissenschaftlichen Kontext als empfehlenswert gelten.

Tobias Leschke

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