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06.08.2026
Neuigkeiten

Bratwurst, Beats und Bach: Libori 2026 lässt Paderborns Kirchen klingen

Zwischen Fahrgeschäften und Budenzauber öffneten sich die Kirchen der Stadt und ließen etwas hörbar werden, das über das gewohnte Nebeneinander der Konfessionen hinausging: ein gemeinsames Klingen, katholisch und evangelisch, traditionell und experimentell, ernst und verspielt zugleich.

Es gibt Wochen, in denen eine Stadt ihre eigene Klanggestalt neu vermisst. Libori 2026 war eine solche Woche für Paderborn, und wer ihr mit dem Ohr folgte, konnte etwas beobachten, das sich kaum in Programmzetteln fassen lässt: wie ein einzelnes Instrument, die Orgel, für sieben Tage zur gemeinsamen Sprache ungezählter Stilwelten wurde.

Im Zentrum stand, wie jedes Jahr, der Hohe Dom. Domorganist Tobias Aehlig begleitete die Pontifikalgottesdienste, die Chöre unter Thomas Berning, die traditionellen Liborituschs. Dazu kam die europäische Uraufführung des „Backhaus Introit” für Trompete und Orgel, ein Auftragswerk des Australiers Gordon Kerry zur Erinnerung an den Paderborner Geistlichen Wilhelm Backhaus. Jörg Segtrop an der Trompete und Aehlig an der Orgel gaben dem Stück seine erste Stimme in Europa. Beim traditionellen Libori-Orgelkonzert führte Aehlig sein Publikum von Wagner über Welmers bis zu Jongen, während Monitore im Kirchenschiff sichtbar machten, was sonst verborgen bleibt: die Arbeit an den Manualen, das Innenleben eines Instruments, das sich sonst hinter Prospekt und Distanz verbirgt.

Nur wenige Gehminuten entfernt hatte sich unterdessen die Gaukirche St. Ulrich in einen eigenen Resonanzraum verwandelt. „Der Klang Gottes” nannten die City Pastoral Paderborn, das Dekanat, die Pfarrei St. Liborius und die Pop-Kantoren im Erzbistum ihre Reihe: sechzehn Konzerte in sieben Tagen, ein Nebeneinander von Genres, das sich jeder Schubladenlogik entzog. Worship-Klänge von Clara Schütte und Sue Turner trafen auf die leisen, introvertierten Töne der Singer-Songwriterin Laura Inés. Der Frauenchor Sound Around wechselte zwischen Gospel und Pop, das Vokalquartett Suono di Sorgente zwischen unterschiedlichen Stilen. Ein Abend widmete sich unter dem Titel „Klang der Religionen” der Vielstimmigkeit des Glaubens selbst.

Ein Freitag brachte in der Gaukirche zwei Welten zusammen, die selten denselben Raum teilen. Die Choralschola St. Jodokus Bielefeld sang unter DKM Simon Schuttemeier Gregorianik, ergänzt durch Orgelmusik von Tobias Leschke. Wenig später verwandelten Popkantor Nils Kollmeier und Tobias Leschke unter dem Titel „Bach & Beats” dieselbe Kirche in eine Bühne, auf der Orgel und DJ-Pult miteinander ins Gespräch kamen. Der Kontrast zeigte, wie elastisch kirchenmusikalische Grenzen sein können, wenn man sie zieht, um sie dann zu überschreiten. Zum Ausklang der Reihe sorgten Andrea De Biaggi und Nils Kollmeier sowie das Ensemble Guglhupf mit Musik vom Mittelalter bis zum Frühbarock für einen Schlusspunkt, begleitet von täglichen Mittagsimpulsen und einer Ausstellung im Seitenschiff. An den meisten Tagen reichten die Plätze kaum aus.

Ein eigenes Signal setzte die evangelische Abdinghofkirche. Dass eine evangelische Gemeinde ihre Türen mitten in einer katholischen Festwoche öffnet und zur Orgelmusik einlädt, ist ein Ausdruck gelebter Ökumene, formuliert nicht in Worten, sondern in Tönen. Kreiskantor Tim Gärtner organisierte vom 25. Juli bis 1. August erneut die Reihe „30 Minuten Orgelmusik zu Libori”, mit täglichen Mittagskonzerten renommierter Organistinnen und Organisten aus dem In- und Ausland. Mehrfach zeigte Gärtner die Abdinghof-Orgel von innen: Eine Kamera übertrug live die Arbeit an Manualen und Pedal auf eine Leinwand, ergänzt um Erläuterungen zu Aufbau und Funktionsweise. Mehr als 1000 Besucherinnen und Besucher fanden den Weg in die kostenlosen Konzerte, und am Ende der Reihe wurde dort auch für die Orgelsanierung gesammelt.

Was bleibt, wenn die letzten Töne verklungen sind? Vielleicht dies: dass die Orgel, dieses kirchlich assoziierte Instrument, in Paderborn zu Libori 2026 keine Konfession kannte. Sie erklang im Dom, in der Gaukirche und in der Abdinghofkirche, mal feierlich, mal experimentell, mal alt, mal neu, immer aber als gemeinsame Sprache einer Stadt, die sich musikalisch nahesteht.

Tobias Leschke

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