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Klangraum Kirche
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16 neue Choralvorspiele als „Nova ex antiquis“ bei Butz

1. Oktober 2022
Hamm
Neuigkeiten
Eine Publikation des Erzbistums Paderborn beim Dr. J. Butz Musikverlag. Organistinnen und Organisten des Erzbistums Paderborn können ein Freiexemplar des Orgelbuches über den Fachbereich Kirchenmusik erhalten. Die UA war am 1.10.22 um 19h an der Goll-Orgel in Liebfrauen, Hamm.

Unter dem Titel „Nova ex antiquis“ erscheinen aktuell 16 neue Choralvorspiele für Orgel, die von DKM Johannes Krutmann (Hamm) initiiert und vom Erzbistum Paderborn im Musikverlag Dr. Butz publiziert wurden. Ausgangspunkt für die Vertonungen bilden 16 Melodien aus dem „Gotteslob“, die auf gregorianischen Vorlagen basieren und wie im Titel beschrieben Neues aus dem Alten schaffen wollen. Sechs Komponisten greifen in ganz unterschiedlicher Weise eine Melodievorlage auf, die sich meist deutlich und nachvollziehbar heraushören lässt. Diese wird in einen je spezifischen musikalischen „Mantel“ eingebettet, der von verschiedenen Vorbildern und Stilen inspiriert ist und sich an unterschiedlichen Epochen und Gattungen orientiert. Die Ausführbarkeit bewegt sich in etwa auf dem Niveau des C-Examens, die Sätze sind je nach Fertigkeit und Übung mit verhältnismäßig wenig bis mittlerem Aufwand realisierbar und von ihrer Faktur her nicht nur konzertant, sondern auch und vor allem im Gottesdienst verwendbar.

Dominik Susteck, der Leiter des Fachbereichs Kirchenmusik im Erzbischöflichen Generalvikariat Paderborn, schreibt in seinem Vorwort: „Es ist immer wieder eine Freude und kompositorische Erkenntnis, dass Musik bunt und vielfältig, strahlend und mannigfaltig sein kann. Die vielen Schattierungen und Varianten, aber auch Brechungen der Musik sind nicht nur freie Poesie, sondern zugleich musikalischer Kommentar zum jeweiligen Cantus firmus. Zwei Aspekte treten bei der Beschäftigung mit dem musikalischen Material in den Vordergrund: Einerseits betrifft dies die Kunstfertigkeit des gestalteten Satzes, andrerseits die Originalität und Innovationskraft des jeweiligen Beitrags. Der junge Komponist Sascha Mücke (Dortmund) lässt den Cantus firmus geschmackvoll in kleinen Inseln erscheinen, die über tonale Modelle gelegt werden, welche sich variabel wiederholen. Thorsten Maus (Recklinghausen) bindet seine Improvisationskunst ein mit Orgelpunkten, enger Stimmführung und Lagen- sowie Registerwechseln. Gereon Krahforst (Abtei Maria Laach) wartet gekonnt mit vollgriffigen, dichten, bisweilen an Max Reger erinnernden Satztechniken auf, die sich oftmals dramatisch konzentrieren und aufschwingen. Kunstvoll neuartig arbeitet Michael Schultheis (Hagen) mit girlandenartigen, im Rhythmus versetzten Elementen, mit sich auftürmenden, weiten Clustern und mit repetierenden Figuren. Christoph Althoff (Linz) fasziniert mit ritueller Kargheit und gespreizter Satztechnik. 

Einen aktuellen Einfluss erfährt die Publikation nicht nur durch ihre Entstehung mitten in der Pandemie, sondern zuletzt durch den furchtbaren Angriffskrieg des russischen Machthabers gegen die Ukraine. Dominik Susteck (Paderborn) lässt seinen musikalischen Beitrag darauf reagieren und befragt das Hören der Melodie „Verleih uns Frieden“ mit Clustern und Akkorden. Das reduzierte Ende der Komposition führt zur einstimmigen Melodie – und damit zum Ausgangspunkt der Publikation.

Der Vorsitzende der KdL (Konferenz der Leiterinnen und Leiter der Ausbildungsstätten für katholische Kirchenmusik in Deutschland) Prof. Frank Danksagmüller hat einen bemerkenswerten Brief in der nmz (neue musikzeitung, Ausgabe 4/2022) veröffentlicht: „Wir klassisch ausgebildeten Musiker sind vertraut im Umgang mit historischer Musik, im Studium historischer Quellen. Und doch übersehen wir (…) das Wesentliche: alle unsere großen Vorbilder waren in erster Linie Schöpfer neuer Musik. (…) Wenn wir also etwas verbessern wollen in der kirchenmusikalischen Praxis, dann sollten wir hier ansetzen. Wir müssen es unseren Vorbildern gleichtun und es uns zur Hauptaufgabe machen, aktuelle Musik zu erschaffen.

DKM Johannes Krutmann und das Erzbistum Paderborn möchten mit dieser Publikation, die zum 15. Jubiläum der Goll-Orgel in der Liebfrauenkirche in Hamm initiiert wurde, einen kreativen Beitrag zum zeitgenössischen kirchenmusikalischen Repertoire leisten und zur Verfügung stellen – in der Überzeugung, dass künstlerische Auseinandersetzung und Kreativität eine entscheidende Notwendigkeit für die Zukunft der Kirchenmusik darstellen.

Die Uraufführung dieser 16 Choralvorspiele fand am Samstag, den 1. Oktober 2022 um 19.00 Uhr an der Goll-Orgel in der Liebfrauenkirche in Hamm (Werler Straße 77) statt. Ausführende waren Martin Geiselhart, Marco Dücker, Vincent Vogelsang, Michael Schulheis, Silvan Meschke sowie die Schola der Cappella vocale Liebfrauen unter Leitung von Johannes Krutmann.

Johannes Krutmann

Kirchenmusiker aus dem Erzbistum Paderborn erhalten unter kirchenmusik@erzbistum-paderborn.de unter Angabe von Name, Adresse und Einsatzort ein kostenloses Freiexemplar der Publikation.