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Klangraum Kirche
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Franz Bühler (1760-1823): Missa brevis et facilis in C, op.21

13. Mai 2022
Chorliteratur
für dreistimmigen Chor (S, A, Bar), Vokalsolisten, zwei Violinen, Violoncello und Orgel. Butz-Musikverlag, Bonn Partitur: 18€ Chorpartitur: 2,50€

„Fresco Allegro“ – selten liest man diese Interpretationsanweisung über einem Musikstück. Der 1823 als Domkapellmeister in Augsburg verstorbene Franz Bühler setzt sie zwar nur über das „Credo“ seiner „Missa brevis et facilis in C“, eigentlich könnte der Hinweis aber auch programmatisch über der gesamten Messvertonung stehen. Veröffentlicht wurde das Werk erst posthum im Jahre 1829, obwohl es bereits vermutlich Ende des 18. Jahrhunderts komponiert worden war und in einer überzeugend klaren klassischen Tonsprache gehalten ist. Ähnlich wie viele Kompositionen heutzutage war das Stück modular geplant. Der Chortenor und die doppelt besetzen Klarinetten, Trompeten, Hörner und Pauken sowie der Kontrabass sind allerdings nicht obligat und so veröffentlicht der Butz-Verlag dieses Werk in seiner „Minimalfassung“ mit zwei Violinen, Cello und Orgel (B.c.). Dieser recht fortschrittliche Gedanke macht das Werk heutigentags gut aufführbar. So wird lediglich ein dreistimmiger Chor benötigt – allerdings auch drei versierte Vokalsolisten. Diese Investition wird sich aber mit großer Sicherheit lohnen! Die Messe ist für den Chor relativ leicht ausführbar und von einer ungemeinen musikalischen Vitalität geprägt. Alle Melodien wirken geradezu geschmeidig; Bühler beherrschte sein Handwerk offensichtlich und das Stück wurde geradezu zu einem „Bestseller“ des 19. Jahrhunderts.

Den größten Raum nimmt das „Dona nobis pacem“ mit fast 80 Takten ein. Ob Bühler hier einen größeren Akzent sah und eine „Friendensmesse“ schaffen wollte, ist nicht überliefert. Die Auslassung des „Cruxifixus“ im äußerst raffiniert komponierten „Credo“ – wie es insbesondere für Weihnachtsmessen in der Zeit keine Seltenheit war – und die bewusste Betonung der Friedensbitte „Dona nobis pacem“ in Verbindung mit einer lebendigen Musikalität machen das Stück zu einer dringenden Empfehlung. In diesem Sinne: Fresco Allegro ans Werk!

 

Tobias Leschke