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Klangraum Kirche
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G. Fauré: Kirchenmusikalische Werke in kleiner Besetzung (mit Orgel). Hrsg. von Helga Schauerte-Maubouet. Bärenreiter-Verlag 2021

13. Oktober 2021
Chorliteratur
G. Fauré: Kirchenmusikalische Werke in kleiner Besetzung (mit Orgel). Hrsg. von Helga Schauerte-Maubouet. Bärenreiter-Verlag 2021 Cantique de Jean Racine, op.11 für gemischten Chor und Orgel oder Klavier (3,95€) und Messe Basse (N 163) für zwei Soprane und Alt solo und 3-stg. Frauenchor (3,95€)

Häufig sind es die kleineren Werke, in denen Komponisten schon in frühen Jahren Grundsteine für spätere großformatige Opera legen. Dies darf auch für „Cantique de Jean Racine“ und „Messe basse“ von Gabriel Fauré gelten. Der Bärenreiter-Verlag bringt die kirchenmusikalischen Werke Faurés in einer Ausgabe von Helga Schauerte-Mauboet 2021 erneut heraus. Dabei überzeugt neben dem Druckbild auch die Genauigkeit der Aufführungsanweisungen. Ein kritischer Bericht liegt den Einzelausgaben leider nicht bei. Sein „Cantique de Jean Racine“ komponierte Fauré im Alter von 19 Jahren. Das Werk ist inspiriert von einem ambrosianischen Hymnus („Consors paterni luminis“), der von Jean Racine nachgedichtet worden ist. Zu Ehren des Dichters blieb der ursprüngliche Arbeitstitel, den Fauré dem Cantique gab, stehen. Dieser sagt aber nichts über den Inhalt aus. Oft wird das Werk zusammen mit dem Requiem aufgeführt, da sich schon im Frühwerk die Tonsprache und agogische Ruhe des späteren Requiems andeutet.

 

Die „Messe basse“ Faurés hat eine lange Entstehungs- und Bearbeitungshistorie. Komponiert wurde sie zunächst in Kooperation mit André Messager. Fauré ersetzte im Jahr 1906 die Sätze Messagers durch eigene Kompositionen und veröffentlichte die „Messe basse“ in der vorliegenden Form im Jahr 1907. Geschrieben wurde die Messe für eine kleine Besetzung, deren Stimmenstruktur größtenteils auf dem Wechsel zwischen Solo- und Chorstimme basiert. Für einen dreistimmigen Frauenchor ohne Solisten ist die Messe meines Erachtens teils stimmlich ambitioniert, aber durchaus aufführbar. Nadia Boulanger schreibt über das Werk: „Die Messe basse ist mehr wert als eine kleine Zufallserwähnung in den biographischen Beschreibungen – sie scheint für Nonnenchöre bestimmt zu sein, denn sie ist weit entfernt von den Aufregungen unseres modernen Lebens. Man möchte sie in einem dieser schönen Klöster hören, in denen die Ruhe waltet, wo das Leben schon Teil des Todes ist, wo der Tod der Anfang des Lebens ist.

 

Der Bärenreiter-Verlag hat mit der Neuedition beste Voraussetzungen für die Aufführung dieser Stücke geschaffen. Faurés Werke haben hohes kompositorisches Niveau. Auf mich wirkt die Beschreibung des Verlages „Zauberhafte Kirchenmusik“, die gewissermaßen das Motto dieser Edition darstellt, zu sentimental; die Kompositionen Gabriel Faurés sprechen für sich selbst.

 

Tobias Leschke