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Klangraum Kirche
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Giovanni Battista Casali (um 1715-1792): Missa brevis concertata

18. Mai 2022
Chorliteratur
für vierstimmigen Chor (SATB), Soli und Orgel (Vc. ad libitum). Butz-Musikverlag, Bonn Partitur: 24€, Chorpartitur: 3,20€

Wenn man ein wesentliches Merkmal des Komponisten Giovanni Battista Casali suchen möchte, so könnte man zu der schnellen Antwort gelangen, dass er vor allem Bürger der Stadt Rom war. Geboren um 1715 in Rom wurde er nach einer Assistententätigkeit Kapellmeister der Lateranbasilika. Ihm gelang es mit Unterstützung des berühmten Padre Martini in die „Accademia filarmonica“ in Bologna aufgenommen zu werden. In Rom starb der Komponist ein Jahr nach seiner Pensionierung im Jahr 1792. Die enge Verbindung zur „ewigen Stadt“ zeigt sich neben der bereits skizzierten biographischen Prägung auch in der Kompositionsweise; Casali komponierte weitestgehend in der Tradition der Römischen Schule. Neben dem vierstimmigen Chor (SATB) sind lediglich vier Solisten und die Orgel als Generalbassinstrument besetzt. Neben die Fugen in der Tradition der römischen Komponisten- exemplarisch sei hier vor allem das relativ lange „in Gloria Dei Patris“ am Ende des „Gloria“ genannt- setzt der Komponist auf engem Raum eindrucksvolle homophone und fast schon arienhaft anmutende Abschnitte. Sogar Anklänge an eine Mehrchörigkeit sind zu finden („Quoniam tu solus sanctus“). Die Solopassagen sind in Teilen sehr virtuos und so bilden die Abschnitte untereinander ein kontrastvolles Ganzes. Der häufige Wechsel zwischen homophonen und polyphonen Abschnitten in den Tuttipassagen und die Beteiligung der Solisten sorgen für eine spannende und abwechslungsreiche Dramaturgie. Casali gelingt es trotzdem immer recht ebenmäßige Stimmverläufe zu erreichen. Insbesondere die Fugen sind von einer überzeugenden Kantabilität.

Das „Benedictus“ ist im Original nicht erhalten und so greift der Verlag auf eine Komposition „von fremder Hand“ zurück. Aufgrund der recht diffusen Quellenlage, die im Vorwort der Partitur beschrieben wird, ist davon auszugehen, dass das Stück im 18. Jahrhundert recht verbreitet war. Heutzutage ist Casali weitestgehend durch seine recht kurze Messe in G bekannt. Der Erstdruck dieser „Missa brevis concertata“ durch den Butz-Verlag ist lobenswert. Die Messvertonung ist ein hervorragendes Beispiel für den „Stylus mixtus“. Jedem ambitionierteren Chor lege ich das Werk gerne ans Herz. Die Aufführungsdauer liegt bei circa 20 Minuten.

 

Tobias Leschke